Ich kann die Hybridzucht jedem empfehlen!

Die Thießen & Sohn Barlt GbR im Landkreis Dithmarschen betreibt seit rund acht Jahren Hybridzucht nach dem Konzept der Drei-Rassen-Rotationskreuzung. Die Kreuzungstiere sind deutlich robuster als die reinrassigen Holsteins und geben mehr Milch.

Weil ihr Bruder den Familienbetrieb nicht länger leiten wollte, übernahm Maria Wiborg (29) im Mai 2022 die Verantwortung für die Thießen & Sohn Barlt GbR in Schleswig-Holstein. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie hier angestellt, und parallel baute sie sich mit ihrem Mann Hannes (34) einen Legehennenbetrieb im Nachbardorf auf.
Ein Festangestellter, drei 450-€-Kräfte sowie Marias Eltern unterstützen die beiden heute bei der Arbeit.

Der erste Kontakt zur Hybridzucht

Ende 2014 kam Berater Udo Carstensen auf den Betrieb und stellte Marias Bruder und ihrem Vater die Drei-Rassen-Rotationskreuzung vor, bei der die reinen Holsteins zunächst mit Montbéliarde belegt werden. Die Nachkommen hieraus besamt man mit Rotvieh-Sperma und die folgende Generation wieder mit der Ausgangsrasse Holstein – der Kreislauf beginnt von vorne. „Ich hatte von meinem damaligen Arbeitgeber die klare Vorgabe, die Reinzucht der hauseigenen Rassen Holstein und Fleckvieh zu puschen und nur auf Nachfrage eines Kunden das Einkreuzen mit Montbéliarde und Rotvieh zu thematisieren. In meinen Augen war die Drei-Rassen-Kreuzung aber die ideale -Lösung, um den Betrieb schnell und nachhaltig nach vorne zu bringen. Daher widersetzte ich mich dieser Vorgabe und bewarb aktiv das erste Mal die Hybridzucht“, erinnert sich Udo Carstensen.

Familie Wiborg

Maria (29) und Hannes Wiborg (35) mit Lilli (5) und Johannes (3). Wir danken der Familie Wiborg für ihre langjährige Treue!

Kreuzungskühe am Futtertisch

Weißer Kopf, rotes oder schwarzes Fell … Die drei Rassen, Holstein, Montbéliarde und Rotvieh sorgen für eine bute Herde.

Den Vater überzeugte er nicht: „Das sollen lieber erst andere machen!“ Auch der landwirtschaftliche Berater des Betriebs war dagegen. Er sagte, er betreue die Familie seit über 30 Jahren und sie liege ihm am Herzen. Er wolle sie nicht dem Risiko der Hybridzucht aussetzen. Er nannte ein paar Beispiele, wo das Einkreuzen wenig erfolgreich war – auch wenn es sich hier um Betriebe handelte, die nicht nach dem Konzept der klassischen Drei-Rassenkreuzung mit Holstein, Montbéliarde und Rotvieh gekreuzt hatten. Maria und ihr Bruder erkannten viel mehr die Chancen der Hybridzucht: „Es ist eine Tatsache, dass die Inzucht bei den Holsteins sehr hoch ist und weiter ansteigen wird. In anderen Bereichen der Landwirtschaft erzielt die Hybridzucht hervorragende Ergebnisse. Zusätzlich belegen Studien den Erfolg der Drei-Rassen-Kreuzung beim Milchvieh. Udo ist mit uns auf den Hybridzuchtbetrieb von Gert -Lassen in Dänemark gefahren, und letztlich haben wir uns auf unseren Verstand verlassen. Wir konnten uns mit meinem Vater einigen, zumindest einen Teil der Herde zu kreuzen und kauften recht schnell das erste Sperma“, erzählt Maria.

Rasse

Alter Monate

Milch kg

Fett %

Fett kg

Eiw. %

Eiw. kg

HF Rotbunt

66

8.591

4,35

374

3,47

298

HF Schwarzbunt

62

8.607

4,13

355

3,43

295

Hybridkühe

36

9.839

4,21

414

3,53

348

Bereits in ihrer ersten Laktation gaben die Kreuzungskühe rund 1.200 kg mehr Milch und 0,1 % mehr Eiweiß als die reinen Schwarzbunten.

Kreuzungskühe: 1.200 kg mehr Milch!

Nach und nach belegte man die reinrassigen Schwarz­bunten mit einem Montbéliarde- oder einem Rotvieh-­Vererber, und nach neun Monaten kam der erste Hybrid-Nachwuchs. Maria erinnert sich: „Die Kälber haben sofort einen guten Eindruck gemacht. Sie waren sehr vital, und die Abkalbungen verliefen noch leichter als zuvor. Für die männlichen Kreuzungskälber erhalten wir rund 50–100 € mehr als für die reinen Holsteins – vor allem für die mit einem weißen Kopf. Gut gefällt mir auch, dass die Herde bunter wird!“

Anfang 2018 kamen die ersten Kreuzungskühe in Milch. Mit 9.839 kg M, 4,21 % F, 3,53 % E gaben sie bereits in ihrer ersten Laktaion über 1.200 kg mehr Milch als die Holsteins! (Holstein: 8.607 kg M, 4,13 % F, 3,43 % E). Die Tiere zeigten ein gutes Euter sowie eine gute Körperkondition, und vor allem die Montis überzeugten durch ihr ruhiges, entspanntes Wesen. 

Genau wie die Kälber sind auch die laktierenden Tiere sehr widerstandsfähig. So brachte beispielsweise eine Holstein x Montbéliarde-Kreuzung ohne Unterstützung Drillinge zur Welt und entwickelte sich im Laufe der Laktation zur zweitbesten Kuh im Stall. Damit hatte Maria wahrlich nicht gerechnet. Generell stecken laut der Mutter von zwei Kindern die Kreuzungstiere die Geburten deutlich besser weg, und sie behalten anschließend ihre gute Körperkondition. Auch eine Labmagen-OP, die in der Herde ab und an ansteht, verkraften die Kreuzungstiere deutlich besser.

Eine Kreuzungskuh
Kreuzungskälber

Ausblick

Langfristig soll die Milchviehherde von 180 Tiere auf 140 abgestockt werden. Die beiden Standbeine Milchvieh- und Legehennenhaltung binden viel Arbeitszeit, und Wiborgs wollen mit möglichst wenig Fremd-Arbeitskräften auskommen. Im vergangenen Jahr verkauften sie 30 Jungtiere, was in diesem Jahr wiederholt werden soll. Geplant ist außerdem der Bau eines neuen 2 x 12 Melkstands, in dem man gut allein melken kann. Um die Effizienz des Betriebs zu erhöhen, will Maria mehr rechnen. Beispielsweise lässt sich in ihren Augen das Kraftfutter weiter reduzieren. Außerdem möchte sie zukünftig die Klauenpflege selbst erledigen.

Mittlerweile sind die ersten Drei-Rassen-Kreuzungen in Milch, das heißt Tiere mit Holstein-, Montbéliarde- und Rotviehblut. Aufgrund der damaligen Abmachung mit dem Vater ist gut die Hälfte der Herde noch reinrassig. Seit über einem Jahr kreuzt man jedoch alle Tiere. 

Die höchsten Leistungen erbringen aktuell die Holstein x Montbéliarde-Kreuzungen. Allerdings sind alle Drei-­Rassen-Kreuzungstiere noch in ihrer ersten Laktation. 

Vor allem weil die Tiere durchweg robuster sind und ihre Milchleistung im Schnitt über der der reinrassigen ­Holsteins liegt, würde Maria jedem die Hybridzucht ­empfehlen.

An Hybrid Genetics schätzt die 29-Jährige, dass Udo gut berät und informiert. „Außerdem finde ich die YouTube-­Videos toll und dass er beim Vermitteln, beispielsweise der Kälber, hilft“, erzählt Maria.

Thießen & Sohn Barlt GbR

Bundesstraße 53, 25719 Barlt

Betriebszweige

Milchvieh, Ackerbau, Legehennen-Freilandhaltung, ­Vermarktung über Wochenmärkte

Fläche

190 ha, davon 130 ha Ackerland, 60 ha Grünland

Milchleistung (LKV-Jahresabschluss 2021)

HF Schwarzbunt: 9.600 kg M, 4,29 % F, 3,71 % E

Kreuzungstiere: 9.908 kg M, 4,28 % F, 3,68 % E

Aktuell eingesetzte Vererber

Rotvieh: Swannies Cygnet, Marnus; Montbéliarde: Oclucy, Panini